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Stadtrundgang

 

 

Zweites Rathaus

 

Das Zweite Rathaus wurde in den Jahren 1843 bis 1845 erbaut und stellte für das damals nur etwa 4000 Einwohnerinnen und Einwohner zählende Sindelfingen ein auffallend repräsentatives Bauwerk dar. Wegen der hohen Baukosten handelte sich der damalige Stadtschultheiss den Vorwurf der Verschwendung ein. Ursprünglich war der Neubau an der Stelle des Alten Rathauses in der Altstadt geplant, was aber letztendlich an baupolizeilichen Vorgaben scheiterte.

So wurde das Gebäude, damals an der Peripherie der Stadt gebaut, allmählich zum Kristallisationspunkt einer neuen Stadtmitte. Es ist in seiner originalen klassizistischen Bausubstanz weitgehend erhalten, lediglich der Dachstock wurde nach einem Brand 1949 höher wieder aufgebaut. Bis 1970 als Rathaus genutzt, beherbergt das Gebäude heute die Galerie und den i-Punkt der Stadt Sindelfingen.

Zweites Rathaus Sindelfingen

 

 

 

Marktplatz

Freundschaftsbrunnen Sindelfingen

Mit dem Bau des Mittleren Rathauses begann sich der westlich davon gelegene damalige Viehmarktplatz allmählich zum allgemeinen Marktplatz und zum Mittelpunkt der wachsenden Stadt zu entwickeln. Heute herrscht neben zahlreichen anderen Veranstaltungen auf dem verkehrsberuhigten Platz jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag buntes Wochenmarkttreiben. Im oberen Teil des Marktplatzes befindet sich der von Bonifatius Stirnberg mit beweglichen Figuren gestaltete Freundschaftsbrunnen.

Jeder der sechs kleinen Brunnen ist einer Partnerstadt bzw. einer Patenschaft gewidmet: Schaffhausen/Schweiz, Corbeil-Essonnes/Frankreich, Sondrio/Italien, Dronfield/ Großbritannien, Würbenthal, Donauschwaben aus dem ehemaligen Jugoslawien (Patenschaft). Nach Aufstellung des Brunnens kamen noch Partnerschaften mit Györ/Ungarn, Torgau/Sachsen und Chelm/Polen dazu. Der zentrale Brunnen, gekrönt vom Sagenpferd Pegasus als Zeichen dichterischer Phantasie, nimmt mit seinen Figuren auf Kultur und Geschichte Sindelfingens Bezug.



Altes Rathaus

 

Das eigentliche Alte Rathaus von 1478 und das Salzhaus von 1592 bilden eines der eindrucksvollsten Fachwerk-Ensembles in der Sindelfinger Altstadt. Der Torbogen zwischen den beiden Gebäuden weist noch auf die ursprüngliche Hofsituation ohne das verbindende Treppenhaus hin. Bis 1845 wurden die beiden Häuser als Rathaus genutzt, wobei sich in ihnen neben den Amtsräumen für Verwaltung, Rat und Gericht der Stadt zeitweise auch noch die Holzfuhrwerke, die Feuerwehr und der städtische Festsaal befanden.

Der Name Salzhaus verweist auf die Zeit, als die Stadt noch das Monopol auf den Salzverkauf besaß. Nach dem Bau des Mittleren Rathauses wurden die Gebäude als Schule, Lehrerwohnungen, Volkshochschule und Bibliothek genutzt, wobei im Inneren viel der ursprünglichen Bausubstanz verloren ging. Heute befinden sich in den Häusern das 1958 gegründete Stadtmuseum und die Würbenthaler Heimatstube.

Altes Rathaus Sindelfingen


 

Alter Friedhof

Alter Friedhof Sindelfingen

Eine Oase der Ruhe inmitten des Stadtzentrums ist der seit 1825 angelegte Alte Friedhof hinter der Stadtbibliothek. In geschützter Umgebung konnte sich hier eine vielfältige Flora entwickeln. Viele der alten Grabdenkmäler sind aus kunst- oder stadtgeschichtlicher Sicht interessant. Wer sich ein bisschen in Sindelfingen auskennt, dem können viele der aufgeführten Namen Geschichte und Geschichten der Stadt erzählen. Sehenswert ist auch die 1911 erbaute Friedhofskapelle, die zahlreiche historisierende Elemente aus Klassizismus und Barock, aber auch Anklänge an den Jugendstil aufweist.

An der Nordseite des Friedhofs erinnern eine Anlage mit Kreuzen und Gedenktafeln an die über 400 Sindelfingerinnen und Sindelfinger, die während des Zweiten Weltkrieges als Soldaten oder bei Luftangriffen ums Leben kamen. Ebenso erinnern Tafeln und Gräber an die Opfer des NS-Terrors in Sindelfingen (eine namentliche Tafel befindet sich am neuen Rathaus) und an das Schicksal der über 3000 Zwangsarbeiter, die während des Krieges hier eingesetzt waren.

 

Hexensprung

 

Das Haus am Hexensprung ist ein schönes Beispiel für die zahlreichen, z.T. noch mittelalterlichen Fachwerkhäuser, die den Reiz der Sindelfinger Altstadt ausmachen. 1475 gebaut, weist auch der "Hexensprung" die für das Mittelalter typische Anblattung der Hölzer auf. Die schräg laufenden Hölzer wurden nicht in die Senkdiesen befestigt. Bemerkenswert ist ebenso die Vorkragung der oberen Stockwerke sowohl auf der Giebel- als auch auf der Traufseite. Zeitweise wurde das Haus von der reichsten Sindelfinger Bauernfamilie bewohnt und gibt auf diese Weise Zeugnis vom bescheidenen Lebensstandard im alten Sindelfingen.

Mit der historischen Hexenverfolgung hat das Gebäude trotz seines Namens übrigens nichts zu tun; vielmehr hat sich der Name "Hexensprung" wohl erst im 19. Jh. etabliert und nimmt vermutlich auf den schiefwinkligen Anbau am Haus Bezug.

Haus am Hexensprung


 

Kurze Gasse

Kurze Gasse Sindelfingen

Die Kurze Gasse bietet noch einen zusammenhängenden Bestand zum größten Teil liebevoll restaurierter Fachwerkhäuser. In vielen Fällen kann man bei genauem Hinsehen durch die Inschriften auf den Häusern schon Näheres über ihre Geschichte erfahren. Haus Nr. 2 beispielsweise wurde im Jahr 1708 von Ratsherr und Schneidermeister Christian Althuon erbaut und fällt durch seine reich ausgeschmückte Fachwerkkonstruktion auf.

Haus Nr. 9 von 1552 weist einen lebendigen, um 1700 erstellten Anbau auf. Durch seine Größe beeindruckt das sogenannte Storchenhaus (Nr. 12). Um 1600 erstellt, diente das Gebäude als Universitätskellerei, in der die der Tübinger Universität zustehenden Natural- und Geldabgaben gesammelt wurden.


Schaffhauser Platz

 

Bis zur Zerstörung im letzten Krieg stand auf dem jetzigen Schaffhauser Platz ein stattliches Gebäudeensemble. Den nördlichen Abschluss des Platzes bildet das größte heute noch erhaltene Stück der ehemaligen Stadtmauer, die nach der Stadtgründung von 1263 gebaut wurde und in diesem Bereich die Stadt vom bereits vorher bestehenden nördlich gelegenen Stiftsbezirk abgrenzte.

Aus mehreren Gründen beachtenswert ist das Fachwerkhaus, das jetzt auf dem Platz steht. Es ist ein sogenanntes Firstsäulenhaus und damit eine absolute baugeschichtliche Rarität. Die Haupthölzer des Hausgerüstes laufen - wie der Name sagt - in einem Stück vom Boden bis zum Dachfirst durch. Damit ist es von der Konstruktion her ein Vorläufer der spätmittelalterlichen Stockwerksbauweise, die noch bei vielen Altstadthäusern anzutreffen ist. Am heutigen Platz steht es erst seit wenigen Jahren: wegen eines Neubauvorhabens wurde es an anderer Stelle abgetragen und hier in restaurierter Form wieder aufgestellt.

Schaffhauser Platz


 

Martinskirche

Martinskirche Sindelfingen

Das älteste und historisch zweifellos bedeutendste Gebäude Sindelfingens ist die Martinskirche. Der Baubeginn der dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika ist etwa um das Jahr 1050 anzusetzen, fertiggestellt wurde sie 1133. Besonders reizvoll ist die Ansicht von Osten mit den drei Apsiden, der frühgotischen Sakristei und dem ursprünglich einzeln stehenden Turm. Auch ein Besuch im Inneren der Kirche ist lohnenswert.

Ursprünglich war die Martinskirche - an den Schutzpatron erinnert eine Plastik an der Südseite - Mittelpunkt eines bedeutenden und wohlhabenden Chorherrenstiftes. Im Jahr 1477 verlegte Graf Eberhard im Bart diesen Stift nach Tübingen. Die Sindelfinger Finanzmittel dienten der Gründung der Tübinger Universität, erster Kanzler und erster Rektor der neuen Einrichtung waren Sindelfinger Chorherren. Als Ersatz gründete Eberhard in Sindelfingen ein reguliertes Augustinerstift - dem Charakter nach ein Kloster - das noch etwa 60 Jahre bis zur Reformation bestand. Die unmittelbar an die Kirche anschließende ehemalige Klosterbibliothek, die daran anschließende ehemalige Propstei und Namen wie „Klostergartenschule" und „Klostersee" erinnern noch heute an die Stifts- und Klosterzeit.


Haus der Handweberei

 

Im 19. Jh. hatte sich Sindelfingen allmählich zu einem überregionalen Zentrum der Handweberei entwickelt. Um die Ausbildung des Nachwuchses zu sichern, wurde schließlich im Jahr 1900 die städtische Webschule gebaut. Architektonisch von Anfang an umstritten, ist der eigenwillige Backsteinbau auch heute noch ein prägnanter Farbtupfer im Stadtbild. Bis zum Umzug ins Berufsschulzentrum 1976 wurden hier Weberinnen und Weber ausgebildet. Zeitweise war die Einrichtung die einzige Meisterschule in ganz Deutschland und verdeutlicht so nochmals die Ausnahmestellung Sindelfingens als Weberstadt. Zur Zeit wird im Haus ein Museum zur Sindelfinger Webereigeschichte eingerichtet.

Haus der Handweberei in Sindelfingen


 

Klostersee 

Klostersee Sindelfingen

 

 

 

 

 

Der Name stammt zwar vom benachbarten Kloster, der See hat aber nie zu dessen Besitzungen gehört. Vielmehr handelt es sich um einen bereits im Mittelalter angelegten Mühlensee. In unserem Jahrhundert wurde der Klostersee zeitweise zur Eisgewinnung, aber auch als Freibad für die Sindelfinger Bevölkerung genutzt. Mittlerweile ist um den See ein Naherholungsgebiet im Herzen der Stadt entstanden. Im Nordwesten schließt sich, auf dem Gelände der Landesgartenschau von 1990, der Sommerhofenpark an. Er lädt ebenso zu Spaziergängen ein wie der nördlich des Sees sich erhebende Herrenwäldlesberg.


 

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